Unsere Reise nach Sibirien



Wie es Martina schon erwähnt hat, man kommt von Sibirien nach Hause, heult sich erstmal an der Schulter des Mannes aus, ist überwältigt von den Gefühlen und Emotionen und erzählt, wie schrecklich die Lage vor Ort ist. Spätestens im Winter möchte man wieder hin um zu helfen. Weg aus unserem perfekten Fotoshop-Leben, um sich in dem Chaos der Hoffnungslosigkeit zu vertiefen und um zu verstehen, wie am Ende der Welt Mensch und Tier täglich nur mit einem beschäftigt sind, dem Überleben!
Nebst dem Stamm-Team von Martina, Nika und mir, waren dieses Jahr auch Ruth (die Tierärztin aus der Schweiz) und 2 weitere Helfer mit von der Partie.
Angekommen am Flughafen, wurden wir nicht von dem üblichen Rudel empfangen. Dieses Jahr ist es eine Geisterstadt. Erst mehrere Tage später habe ich vernommen wo alle Hunde hin sind, als eine in Tränen überströmte Frau einen Hund ins Tierheim brachte. Ihre Nachbarn hatten den Entsorgungsdienst gerufen! Die Mutter der Welpen konnten sie nicht mehr retten. Die Hündin verendete qualvoll an dem Gift, mit dem sie abgeschossen wurde. Die Welpen wurden bei der Frau im Haus versteckt und werden später ins Tierheim gebracht. Nur den zahmen Rüden konnte sie kurz vor dem Abschiessen noch einfangen und ins Tierheim bringen.
Die Frau kam in dem Moment, wo unsere Schweizer Tierärztin gerade am Kastrieren war. Sie schaute uns an und sagte: Ihr seid doch die Deutschen, von denen die ganze Stadt spricht. Wenn es euch nicht gäbe, wären alle Tiere hier verloren.
Der Rüde wurde dann kastriert und in einen Zwinger zu anderen Hunden reingesetzt. All die Tage, die ich an dem Zwinger vorbei gegangen bin, musste ich leise weinen. Die anderen Hunde haben uns immer angebellt.. Nur der Rüde sitzt einfach da, schaut verwirrt auf uns und versteht die Welt nicht mehr, wie er hier gelandet ist. Wie kann ich ihm erklären, warum wir ihm die Freiheit genommen haben und die Umgebung, an die er doch gewohnt war? Wie kann ich ihm erklären, dass er, wenn nicht diese Frau gewesen wäre, nicht mehr am Leben sein würde? Traurig gehe ich zu der jungen Arbeiterin von Svetlana um sie zu fragen, wie lange die abgegebenen Tiere brauchen, um sich dem neuen Leben anzupassen. Ihre Gefühle sind ausgeschaltet - zu viel hat sie gesehen, zu viel hat sie erlebt. Zu mir sagt sie nur: Gib ihm ein Monat und er bellt dich wie alle anderen an. Ich versuche mich zu beruhigen am Ende ist es trotzdem ein Leben und besser als der Tod.
Doch es gibt auch andere Fälle, die ehemalige Wohnungstiere. Diese haben es besonders schwer. Sie sind es nicht gewohnt, sich gegenüber den starken Hunden zu verteidigen und sich dem harten Leben anzupassen. Sie sind in einem Tierheim, in dem sie nie mehr so viel Zuwendung bekommen werden wie früher. Svetlana rennt wie eine verrückte durch den Tag und versucht das Tierheim aufzubauen. Sie holt auch ausgesetzte, angebundene Tiere aus der Stadt und da bleibt fast keine Zeit, um allen Aufmerksamkeit zu schenken. Viele von den ehemaligen Wohnungstieren gehen so schnell wie eine abgeschnittene Blume ein.
Da gab es diesen Kater, der hat mir in die Augen geschaut und mich angefleht. Er wurde von einem Paar gebracht, die seine Haare nicht mehr in der Wohnung haben wollten. Ich wollte ihn mitnehmen, damit er wenigstens hier wieder zu Kräften kommen kann. Er war ganz geschwächt, doch als ich ihn in dem Katzenzwinger auf meinen Bauch legte, schaute er zu mir hoch und in seinen Augen konnte ich herauslesen, dass er diese Menschenzuwendung schon mal gekannt hatte. Ich bemerkte aber, dass sich irgendwas an seinem Bauch bewegte und habe dann unsere Schweizer Tierärztin geholt. Wir legten ihn in Narkose und was wir dann gesehen haben, war unerträglich! Sein ganzer Bauch war voll von Maden und Würmern. Der arme Kerl wurde bei lebendigem Leib aufgefressen! Beim Einschläfern konnte ich nicht mehr dabei sein, ich konnte es kaum verkraften.. Ich hatte ihm doch kurz davor ein schönes Leben versprochen.
Wir kamen auch an einem Zwinger vorbei, wo wir einen Rüden sahen, bei dem die Hinterhand gelähmt war. Wir haben Svetlana gerufen und sie sagte uns, dass das erst vor ein paar Tagen passiert sei. Sie hoffe so sehr, dass er sich wieder erholt.. Sie habe schon so oft solche Wunder erleben dürfen, bei Tieren, die die Tierärzte aufgegeben haben und sie wurden wieder gesund. In diesem Fall war aber das Fachwissen von unserer Tierärztin zu gross und auch Nika (ausgebildete Hunde-Physiotherapeutin und Tierarzt-Assistentin) sah ganz schwarz für den süssen Rüden.. Schweren Herzens haben wir ihn dann ganz sanft über die Regenbogenbrücke begleitet.

Die allgemeinen Gründe, weshalb die Menschen ihre Tiere ins Tierheim bringen.

Manche begründen es nicht mal. Schmeissen z.B. einfach einen Pekinesen aus dem fahrenden Auto vor dem Tierheim und rufen schnell: sein Name ist Dima! und sind in wenigen Sekunden wieder verschwunden. Oder sie bringen einen älteren, sein ganzes Leben angeketteten Hund ins Tierheim und sagen: Eigentlich wollte ich ihn einschläfern, weil er das Haus nicht mehr beschützen kann, doch dann habe ich von ihrem Tierheim gehört. Aber nicht genug! Eine Woche später kommt der gleiche Mann wieder und sagt: Eigentlich habe ich es mir anders überlegt, ich bringe ihn auf ein zweites Grundstück von mir, dann kann er dort an der Kette sein. Svetlana sagt da immer: Gehen sie weg, sonst werde ich meine Hunde auf sie hetzen! Oder man ruft Svetlana an und sagt, und das ist jetzt kein Witz: Wir haben hier einen Kettenhund bei uns, der die Menschen zur falschen Zeit anbellt. Wir würden gerne diesen einschläfern lassen und möchten schon im Voraus wissen, ob sie einen passenden Hund für uns hätten, den man dressieren könnte, zu einem bestimmten Zeitpunkt das Hausrevier zu verteidigen.
Aber na ja, nicht alles auf dieser Welt ist hoffnungslos. Das Tierheim ist nicht mehr mit dem zu vergleichen, das wir letztes und vorletztes Jahr gesehen haben. Überall sind neue Zwinger dazu gebaut worden. Es gibt das Rudel von Svetlana, das Rudel von der jüngeren Arbeiterin Tatjana und das Rudel von Galina, die schon lange bei Svetlana lebt. Svetlana hat ihr zu einem zweiten Leben verholfen, da sie früher Alkohol abhängig war. Zwischendurch gibt es natürlich auch andere kleine Rudel und Tiere, die in getrennten Zwinger leben, weil sie von den anderen gemobbt werden oder selber zu dominant sind.
Noch im Winter habe ich mich gewundert... Wir haben dank euren Spenden schon so viel erbauen können, doch Svetlana schreibt immer und immer wieder, das sie mehr Räume braucht. Jetzt erst vor Ort, kann ich nachvollziehen warum. Es gibt so viele unverträgliche Hunde, die für sich separate Zwinger brauchen und der kleinste Raum im Tierheim ist besetzt. Eine Kampfhündin, die vor kurzem dazu kam, musste in dem Raum untergebracht werden, wo im Winter die Kohle gelagert wird. Erst jetzt kommen die Arbeiter dazu, dort ein Fenster einzubauen.
Grosse Fortschritte gibt es auch bei der Kastration! Bis auf ein paar erwachsene Hunde, die man fast nicht einfangen kann weil sie so wild sind und die heranwachsenden Welpen, sind alle Tiere kastriert. Leider gab es aber auch hier 5 Unglücksfälle, bei welchen 5 Hündinnen ums Leben gekommen sind, weil sich bei ihnen die Bauchdecke wieder geöffnet hat. Die Sache ist sehr mysteriös. Die gleiche Ärztin hat zuvor alle anderen Tiere auch kastriert und es gab nie Probleme! Erst in diesem Frühling fingen diese Todesfälle an. Unsere goldwerte Schweizer Tierärztin Ruth Ferraro passte sich wie ein Chamäleon an die schrecklichen Op-Bedingungen im Kastartionsraum an. Sie kastrierte aber trotzdem sehr erfolgreich 25 Tiere, welche sich nach der Kastration sehr schnell erholten und zeigte der russischen Tierärztin auch noch mal, wie man eine doppelte Naht macht, damit die Nähte besser halten.
Auch gab es ein Vorfall, welcher Ruth und Martina besonders schockierte. Sie waren gerade dabei, eine Hündin zu kastrieren, als sie sahen, wie die russische Tierärztin einem Hund der in Narkose war einen Schlag verpasste, da es so aussah, als ob er zu früh aufwachen würde! Als wir später die Tierärztin darauf angesprochen haben, sagte sie, dass das überall in Russland so gemacht werde! Noch immer schockiert, erklärte ihr unsere Tierärztin, welche Narkosemittel besser sind und wie sie dosieren muss. Leider ist es so, dass sie in Russland nicht geeignete Narkosemittel für die Tiere haben und sie das Gewicht der Hunde auch nur schätzen.
In den Zeiten wo wir keinen Ausweg bei diesem ganzem Elend gefunden haben und auch Ruth an ihre Grenzen gestossen ist, legte sie sich einfach ins Gras und tankte aus der Erde neue Energie. Dann stand sie auf und machte weiter! Eine wirklich tolle Frau, ich hoffe sie ist auch nächstes Jahr dabei.
Dann gab es aber auch den Tag, wo wir zusammen mit der russischen Tierarzt-Chefin Ludmilla mal unsere Seele baumeln lassen und neue Energie tanken konnten. Wir sind zusammen mit Svetlana an einen wunderschönen See gefahren. Dort konnten wir auch mit Ludmilla in aller Ruhe über Vieles sprechen, was im Tierheim einfach nicht gut möglich ist.
Kurz vor Ende unserer Reise, haben sich Martina und ich entschlossen, zusammen mit Svetlana nach Abasa zu Jurij Kitanov und seiner tierlieben Frau zu fahren. Das war ein grosses Anliegen von Svetlana, weil er für das Tierheim und die Tiere sehr wichtig ist. Wir wurden herzlich empfangen und durften auch bei ihnen übernachten. Jurij ist gerade im Wahlkampf (er will Bürgermeister werden) und hat zusammen mit uns ein Video gedreht, welches er dann für den Wahlkampf verwendet. Er zeigt darin auch die Problematik der Strassentiere auf und wie man Mensch und Tier helfen kann. Schafft er es, dass er gewählt wird, hat er uns versprochen, mit Hilfe von uns in Abasa ein Kastrationsprogramm durchzuführen!!! Bitte drückt ihm alle die Daumen! Wenn er das wirklich durchziehen kann, haben wir gemeinsam Pionierarbeit geleistet und hoffen, dass andere Städte dann nachziehen!
Auch hat er viel Holz gespendet, damit das neue Katzenhaus grösser als geplant fertig gebaut werden kann. Was wir in diesen zwei Tagen bewirken konnten, war grandios.
Osteuropa ist in Sachen Tierschutz eine einzige Katastrophe! Die Leute selber haben nichts und die Tiere haben in ihren Augen gar keinen Stellenwert. Für Tierschützer aus dem Westen, ist Vieles fast nicht zu ertragen und sie kommen mit den Begebenheiten vor Ort kaum klar. Es wimmelt von Fliegen, die überall versuchen ihre Eier abzulegen. Menschen kommen vorbei, die ihre Tiere regelrecht wegwerfen. Süsse Welpen sterben, weil vielleicht wieder eine Seuche ausgebrochen ist. Wir helfen wo wir können und versuchen in den 2 Wochen in denen wir dort sind aufzuklären so gut es geht und hoffen, dass Svetlana, ihre Helfer aber auch die Tierärzte möglichst viel davon umsetzen können. Nach unserer Abreise sind sie wieder 11.5 Monate auf sich alleine gestellt. Wie gerne würden wir länger bleiben oder öfter hinfliegen. Leider sind wir alle berufstätig .... Wir könnten so viel mehr tun, wären die Distanz und v.a. die Verständigungsprobleme nicht!
Zurück in der Schweiz angekommen, in dieser Realität, welche mir persönlich wie eine Fotokollage vorkommt, kann ich nur schwer meinem Freund erklären, was in mir vorgeht. Er erzählt mir, was er alles im Urlaub erlebte und wie er das coole Auto von seinem Freund ausgeliehen hat. Ich nicke schweigend und ich sehe vor mir die Bilder einer Katze, die in meinen Armen gestorben ist.
Wie kann ich ihm erklären, dass am anderen Ende der Welt Mensch und Tier alleine auf sich gestellt sind und nur eines tun - VERSUCHEN ZU ÜBERLEBEN? Wie kann ich ihm erklären, das die Natur immer noch ihren Lauf nimmt, in einem Tierheim, in welchem jeden 3. Tag Welpen abgegeben werden, weil die Menschen die Kastration nicht kennen oder sich diese nicht leisten können und am Ende nur die Stärksten überleben? Ich kann es nicht, doch was ich machen kann ist, ihn das nächste Jahr mitnehmen, um sein Denken global umzustellen. Es ist ein grosses Risiko, das sein Leben nicht mehr so sein wird wie früher, doch er wird verstehen, was auf dieser Erde noch zu tun ist, ich wünschte alle von uns würden es

Eure Daria

Tag 1



Liebe Tierfreunde, die Reise in das sibirische Tierheim von Svetlana Konowlowa beginnt. Ich möchte diesmal ein kleines Tagebuch führen und zwar nicht als eine wichtigtuhende Präsidentin des Vereins, sondern als normaler Mensch, ein hilfloser Tropfen im Ozean des Tierelends, welches versucht etwas zu verändern und euch davon zu berichten.
Mit dabei dieses Jahr: Die Martina K. Eine Seelenverwandte von Svetlana, die ihr versprochen bis zu ihrem Tod immer einmal pro Jahr sie zu besuchen.
Die Ute B., die wie ein Chamäleon sich jeder Situation anpassen kann. Auch wenn es um das Schlimmste geht, die Tiere sterben zu sehen. Meinen zukünftigen Mann, der nach dreijähriger Vorbereitung und Vorstellung das er in das Rudel wilder Hunde rein geschmissen und zerfleischt werden wird. Die Kraft gefunden hat mitzukommen und in meinen Augen trotzdem mehr in den Hosen hat als alle anderen russischen Männer die wir in meinem Ort treffen und die ihn aufgeregt einladen mal ein paar Kaninchen auf der Jagd abzuschießen um Russland kennenzulernen und die dann plötzlich vor dem Tierheim stehen, zitternde Knie bekommen von dem Gebell der Hunde.
Und meine Wenigkeit, die sich vor Natur aus eigentlich eher in einer Ecke verkriechen würde, statt immer so stark zu tun. Doch sich dieser Sache stellen muss, weil es anders nicht geht.

Wir kommen dem Tierheim näher.

Die Svetlana kommt raus ein dünner, überglücklicher Energiebündel. Sie freut sich über alles uns zu sehen. Nach einem Jahr hat es sich in ihr viel aufgestappelt, in uns spürt sie Seelenverwandte welchen sie alles anvertrauen kann. Sie umarmt uns mit einer Kraft das man ihrem von Physischen Bau nicht erwarten würde, und sagt: "Schaut, ich bin noch gut in Form" Und dann flüstert sie mir ins Ohr: "Aber wenn mir was zustößt, bitte beerdige du mich."
Ich bekomme heimlich eine Gänsehaut, die Vorstellung das ihr was zustoßen könnte, verdrücke ich so schnell wie ich kann.
Am ersten Tag kommen wir spät an, ich möchte nicht ins Tierheim rein. Weil es normalerweise mehrere Stunden dauert bis man sich dort umgeschaut. Doch vor dem Tierheim steht eine Klappe zum abgeben der Hunde in welcher sich etwas bewegt. Ich schau rein und sehe um 8-10 Welpen. Die scheuen in der Ecke die tapferen im Vordergrund. "Vor zwei Tagen abgegeben, sagt mir die Mitarbeiterin."
Ich setzte mich ins Auto, und befürchte das mir dieses wie jedes Jahr solche Vorfälle einige schlaflose Nächte breiten werden. Ich sage zu meinem Freund: "Gerade eben angekommen, spüre ich die Hilflosigkeit der ganzen Situation, nur ein paar von diesen Welpen werden überleben, wann wird mein Land endlich lernen zu kastrieren!"
Mein Freund sagt mir: "Für die Menschen ist es leicht, sie wissen es gibt ein Tierheim, und es ist die einfachste Lösung die Welpen dahin abzuschieben, sie machen sich keine weiteren Gedanken, das dieses Tierheim am überleben ist, und die Svetlana kein Gott ist. Du musst es so sehen, die gleichen Welpen hätten auch in einer Mülltonne landen können."

Tag 2



Mit großer Aufregung welche Veränderungen uns bevorstehen betreten wir das Tierheim, die bekannte Gesichter von ihrer zwei treuen Arbeiterinnen der Galina und der jungen Tanja blühen auf, doch nach 10 Minütiger Begrüßung, versinken die beiden wieder in die übliche Arbeit. Alle Hunde müssen Futter und Wasser bekommen.
Die Svetlana schnappt das Auto und fährt in die Stadt um wieder neue Arbeiter abzuholen um denen das Tierheim vorzustellen. Später sagt sie: "Die haben wieder nichts getaucht, gingen keine 50m ins Tierheim rein, bekamen Angst von dem Gebell, und schon wars erledigt." Die Svetlana ist immer auf der Suche nach neuen Arbeitern, es ist sehr schwer für diesen kleinen Verdienst, und so eine harte Arbeit auf Dauer jemanden zu finden.
Ich schaue auf das Gesicht meines Freundes, er steht steif und hat grosse Augen. Ich nehme seine Hand und sage ihm: "Einfach langsam durchgehen."
Doch bei diesem Gebell kann er meine Wörter kaum hören. In dem linken Zwinger sehe ich meinen "Beschützer" er lebt noch! Und wie immer ist er mit einziger Sache beschäftigt, er bellt die anderen Hunde an, weil sie uns anbellen, als würde er sagen: "Seit ihr alle verrückt, wir dürfen das nicht machen, wir müssen dankbar sein!"
Ich schleppe meinen Freund ins Katzenhaus, damit er sich erst mal vor dem Schock erholen kann. In einem kleinen Gang, wo die Svetlana erst mal ihren Neuzugang in separate Zwinger einsperrt, damit sie sich an das Tierheim gewöhnen können, bis sie in das passende Rudel umgesiedelt werden. Bemerke ich einen Hund, noch mit Halsband (Das ist immer ein Zeichen, das einer von seinen Besitzern abgegeben wurde) das keine Ruhe finden kann. Es ist immer ein schlimmer Einblick. Doch die Tanja sagte mir letztes Jahr als ich so einen verlorenen, gerade abgegebenen Hund angeschaut habe, das er in einem Monat genau wie die anderen wird bereits herumrennt und bellt. Ich glaube es nicht so ganz, ich denke manche werden sich da nie integrieren, aber das ist wahrscheinlich das einzige was man sich sagen kann, um nicht zuzulassen dass das eigene Herz aus Mitleid nicht explodiert. Dann bemerke ich noch einen kleinen lebendige Haufen und sehe das da um 10 Welpen sich aneinander wärmen. Ich komme rein um mit diesem Häufchen zu spielen. Alle werden sofort auf Spielmodus umgestellt, man sieht sie wurden viel zu jung von ihrer Mutter weggenommen und ins Tierheim vor einer Woche in einer Kartonbox Tierheim gestellt. Mit schwerem Herzen gehe ich weiter, das Häufchen lehnt sich in einer Reihe über die Sicherheitswand und schaut mir fragend hinterher. Ich versuche meine dunklen Gedanken wegzuschieben, das nur ein paar davon im Winter durchkommen.
Wenn ich doch Gott wäre .... dann würde ich denen allen eine Familie geben und auch sonst einiges anders machen ....
Wir kommen in das Katzenhaus, dort ist es ruhig. Mein Freund erholt sich langsam von dem Schock und widmet sich seinen Lieblingstieren den Katzen. Überraschender Weise sieht es gut aus in dem Katzenhaus, es ist sauber und grün Draußen, die meisten Tiger genießen den Auslauf. Aber es gibt auch ein paar die unter einer großen Gruppe leiden, die ständig fauchen und warnende Geräusche von sich geben. Solche Einzelgänger leiden am meisten dort.
Den restlichen Tag schauen wir uns das ganze Gelände an, ich bin sehr froh, die Tiere aufzufinden die mir über diese Jahre ins Herz gewachsen sind. Andere die ich zu sehen erhoffte finde ich wiederum nicht mehr. Die Tanja sagt mir, das diesen Winter die Staupe ausgebrochen war und nicht nur im Tierheim sondern in ganz Sibirien. Das um 25 Hunde gestorben waren.
Kurz bevor wir abgereist sind brach die Svetlana zwei Katzen von der Kastration aus der Stadt. Die beiden waren schon am Erwachen, und ich blieb bei denen halbe Stunde um sie zu trösten. Doch wir waren schon alle ein wenig emotional und körperlich am Ende und standen auf um zu gehen. Doch die eine Kastrationskatze, immer noch halb wach, sah mich gehen, stand auf und wackelte in meine Richtung, und legte sich auf meinen Arm, so sehr sehnte sie sich nach Menschennähe. Dabei hat man dem armen Tier die Babys abgtrieben. Leider ist es die einzige Lösung, den die Babys überleben in diesem Tierheim nicht.
Nach solchen Momenten die einem im Kopf bleiben, denkt man an die Menschen die das eigene Tier wegschmeißen. Wenn sie nicht fähig sind diese kleine Zeichen der Gefühle wie: Trauer, Sehnsucht, Hoffnung, Schmerz in den Tieren zu sehen die sie einmal gehalten haben, wie gehen die wohl mit eigenen Kindern um?

Tag 3 und 4



Heute kamen wir zu unseren Eingangsbeschützer den 6 Welpen, die in die Klappe der Abgabe getan wurden und mussten festellen das noch 6 dazu kamen. Die Kleinen erkannten uns sofort und es begann ein Wettbewerb, wer von denen wackelt am schnellsten mit dem Schwanz. Ich versuchte ihnen so viel Liebe wie möglich zu geben. Martina gewann ihr Herz mit dem Leckerli und die Ute, gab ihen einen Sportunterricht.
Ich versuchte die Gedanken weg zu bringen, was mit denen passieren wird wenn wir nicht mehr da sind, wenn das erste kalte Wetter beginnt. Ich glaube es war uns allen drei bewusst, wir mussten es nicht aussprechen, und jeder von uns hat denen eine kleine schöne Zeit gegeben, vielleicht wird sie ja schon bald zur Ende gehen.Die Svetlana wartete auf uns schon vor dem Tierheim den Kopf in den Händen haltend und sagte: "Da haben noch andere Idioten mir einen Eimer mit drei Katzenbabys mitgebracht, ich schickte sie nach Hause, nach dem ich erklärt habe das die Katzenbabys im Tierheim nicht überleben."
Doch trotzdem schien uns dieser Tag nicht mehr so traurig wie der erste. Wenn man lange die Rudel beobachtet, sieht man diese Hunde es eigentlich gut haben, sie haben ihre kleine Intrigen, ihre Glücksmomente, sind zicken rum wenn ein Mensch vorbei rennt. Doch es gibt die die in diesen kleinen Zwingern ihr Leben verbringen müssen, entweder weil sie von der frei laufenden Gruppe nicht angenommen werden, und gemoppt werden oder die anderen selber angreifen. An ein paar solchen gingen wir vorbei und die Hunde sahen ziemlich aggressiv aus. Doch die Svetlana kam vorbei und sagte: "das ist der Tuman, ganz lieber."
Ich schaute den weissen Schäfer-Laika Mix an der mich in dieser Sekunde anbrüllte und provokativ in den Kreisen im Zwinger rumrente, nahm mein Mut zusammen und ging in den Zwinger rein. In einer Sekunde viel auf mich von ober ein überglückliches Baby. Ein sanfter Riese, der in sein Glück nicht glaubte, das ein Mensch ihn besuchen kam. Und so ein Riese verbringt sein Leben in einem engen Zwinger und hat keine Aufsicht auf Vermittlung. Er wurde von seinem Besitzer abgegeben weil er ihm zu gross gewachsen war.
Wir haben uns vorgenommen solche Hunde demnächst auf unserer Homepage vorzustellen die auf dem engsten Raum ihr ganzes Leben verbringen müssen. Vielleicht bekommen die ja bei uns noch ihre letzte Chance Dann sah Ich eine schüchterne Hündin in einem ähnlichen Zwinger und merkte das sie den Trockenfutter nicht nur in ihrem Napf hatte, sondern auch in ihrer Hütte. Die Tanja kam vorbei und ich fragte sie was das soll. Die Tanja sagte diese Hündin kam sehr mager ins Tierheim, wahrscheinlich hatte sie nie genug zu essen. Jedes Mal wenn sie Trockenfutter bekommt, nimmt sie die Kügelchen in den Mund und bringt nach einander in die Hütte, wahrscheinlich auf Vorrat, falls der Napf mal Leer wird. Als wir am Abend aus dem Tierheim rausgingen, lief Svetlana in unsere Richtung und sagte das heute drei Welpen aus dem Rudel am Eingang vermittelt worden sind. Sie wird aber morgen Trotzdem in die Zeitungs Firma hinfahren und Inserate austellen lassen das Kätzchen und Welpen dringend ein zu Hause suchen. Vielleicht meldet sich ja jemand. Und dann habe ich noch zugehört als jemand sie angerufen hat und fragte ob das Tierheim ein paar Säcke mit Trockenbrot haben möchte, die Svetlana sagte natürlich zu ....

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